Author: adminsandra

  • „Klang und Wort im Einklang“ – Freies Wort

    „Klang und Wort im Einklang“ – Freies Wort

    Am 19. Mai 2026 war ich mit meinem Programm „Quellen des Lebens – die Kraft jüdischer Frauen“ im Oberrathaussaal in Suhl zu Gast. Am Flügel spielte Naoko Christ-Kato Klavierwerke der niederländischen Komponistin Rosy Wertheim, dazwischen las ich Gedichte jüdischer Lyrikerinnen. Rund 50 Gäste waren gekommen, und das Freie Wort, die Tageszeitung für Suhl und Südthüringen, berichtete über den Abend – mit den Eindrücken von Heidemarie Schwalbe.

    Sandra Kreisler liest am Flügel, Naoko Christ-Kato spielt Klavier
    Mit Naoko Christ-Kato im Oberrathaussaal Suhl (Foto: privat)

    „Rund 50 Gäste erlebten am 19. Mai im Oberrathaussaal Suhl einen Abend, der Musik und Poesie zu einer eindrucksvollen, fast schwerelosen Einheit verband.“

    Freies Wort, 30. Mai 2026

    Die Gedichte stammten von Tamar Radzyner, Selma Meerbaum-Eisinger und Emma Kann. Sie zeugen, so die Kritik, „von weiblicher Stärke in Zeiten politischer Unsicherheit, Verfolgung und existenzieller Bedrohung“. Besonders hob Heidemarie Schwalbe die Gedichte von Tamar Radzyner hervor, die auch für meine Eltern Georg Kreisler und Topsy Küppers schrieb.

    „Kreisler verlieh den Gedichten eine klare, eindringliche Stimme, die die Lebensrealitäten der Autorinnen spürbar machte und zugleich Brücken in die Gegenwart schlug. Ihre Interpretation ließ die Worte nicht nur erklingen, sondern nachhallen – als Mahnung, als Ermutigung, als lebendige Erinnerung.“

    Freies Wort, 30. Mai 2026

    Naoko Christ-Kato, die Rosy Wertheims lange verfemte und vergessene Klavierwerke auch auf CD eingespielt hat, beschrieb die Kritik als „ausgesprochen einfühlsame und technisch brillante Pianistin“, deren Spiel „zugleich transparent und kraftvoll“ wirkte.

    „Die Verbindung von Musik und Poesie entfaltete eine besondere Intensität. Beide Kunstformen erzählten – jede auf ihre Weise – von Mut, Verletzlichkeit und Widerstandskraft.“

    Freies Wort, 30. Mai 2026

    Das Publikum dankte uns mit langem Applaus. Zum Abschied sangen wir als Zugabe ein jiddisches Lied – laut Kritik ein „höchst emotionaler“ Moment. Ich danke allen, die an diesem Abend dabei waren.

    „Die Veranstaltung zeigte, wie kraftvoll Erinnerungskultur wirken kann, wenn sie künstlerisch sensibel gestaltet wird: nicht als Rückblick allein, sondern als lebendige Auseinandersetzung mit Fragen, die uns auch heute betreffen.“

    Freies Wort, 30. Mai 2026

    Freies Wort, 30. Mai 2026: „Klang und Wort im Einklang – Eine ganz besondere Lesung fand vor wenigen Tagen im Oberrathaussaal in Suhl statt.“

  • „Der Vater, die Tochter und die Kunst“ – Goslarsche Zeitung

    „Der Vater, die Tochter und die Kunst“ – Goslarsche Zeitung

    Am Dienstag, dem 6. Juni 2023, war ich mit meinem Programm „Kreisler singt Kreisler“ bei den 42. Goslarer Tage der Kleinkunst im Kulturkraftwerk zu Gast – begleitet von Andreas Kohl am Flügel. Sabine Kempfer schrieb darüber in der Goslarschen Zeitung unter dem Titel „Der Vater, die Tochter und die Kunst“.

    Sandra Kreisler mit erhobenem Arm auf der Bühne, dahinter Andreas Kohl am Flügel
    Mit Andreas Kohl in Goslar – Foto: Lev

    „Kreisler singt Kreisler, und für das Publikum der Goslarer Tage der Kleinkunst bringt das die Begegnung mit gleich zwei spannenden Künstlern mit sich – einem posthum, Georg Kreisler, einer live und in starker Bühnenpräsenz, Tochter Sandra Kreisler.“

    Sabine Kempfer, Goslarsche Zeitung, 8. Juni 2023

    Es ging an diesem Abend um die unbekannten Texte meines Vaters Georg Kreisler – und darum, wie viel Aktualität in ihnen steckt, obwohl sie vor langer Zeit entstanden sind: „Einfach mal den Kanzlernamen aktualisiert – schon passt es wieder.“ Auch mein Kampf, mich aus dem Schatten des berühmten Vaters zu lösen, war Thema. Dass Sabine Kempfer mich trotzdem als Diseuse „zum Besten, was die deutschsprachige Szene zu bieten hat“ zählt, freut mich sehr – ob mit meinem Mann Roger Stein als Wortfront oder, wie an diesem Abend, mit Andreas Kohl.

    „Die Bühnenperformance (die sie auch lehrt) ist gekonnt statt gekünstelt, der Ausdruck kraftvoll, authentisch, echt. Sandra Kreisler ist ein wunderbarer Profi.“

    Sabine Kempfer, Goslarsche Zeitung, 8. Juni 2023

    Über Andreas habe ich an diesem Abend gesagt, dass ich ihn nicht mehr hergebe: „Er kann grooven, hat ein klassisches Händchen und Verständnis fürs Wort.“ Zugaben mussten natürlich sein – „Mein Gott, dann tun wir noch was arbeiten. Es ist nicht so, dass wir hier ungern sind.“ Und am Ende habe ich die Kultur und das Ehrenamt gefeiert, denn so etwas wie das Kulturkraftwerk gibt es nirgendwo sonst im Land: „Die Titanic wurde von Profis gebaut. Die Arche Noah von Ehrenamtlichen.“ Und ja: Bühnenperformance unterrichte ich tatsächlich – mehr dazu unter Regie & Coaching.

    Goslarsche Zeitung, 8. Juni 2023: „Der Vater, die Tochter und die Kunst – 42. Kleinkunstfestival ermöglicht Wiedersehen und Wiederhören mit der ausdrucksstarken Sandra Kreisler“ von Sabine Kempfer.

  • „Ideenplantagen“ und befreite Seele – Cellesche Zeitung

    „Ideenplantagen“ und befreite Seele – Cellesche Zeitung

    Am 25. März 2023 war ich mit Roger Stein und unserem Programm „Glück“ in der CD-Kaserne in Celle zu Gast. Am Tag davor erschien in der Celleschen Zeitung ein Interview, das Redakteur Jürgen Poestges mit mir geführt hat – über Glück, Unsicherheit, die Entstehung unserer Lieder und darüber, wie es ist, immer zuerst „Tochter“ zu sein.

    Sandra Kreisler lacht, im Hintergrund ein Fluss und Häuser
    Foto: Simone Hofmann

    „Ich glaube, einer der Schlüssel zum Glücklichsein ist das Aushalten von Mehrdeutigkeiten.“

    Cellesche Zeitung, 24. März 2023

    Das größte „Problem“ beim Glück ist für mich, dass die meisten Menschen es erst erkennen, wenn es vorbei ist – und Zufriedenheit kann durchaus Glück sein, wenn man es zulässt. Gefragt wurde ich auch, wie Roger und ich uns kennengelernt haben: in der legendären Broadway Bar in Wien. Roger hat ein paar seiner Lieder gesungen – und es war um mich geschehen.

    Unsere Lieder sind zunächst Rogers Lieder. Ich gebe, wie er liebevoll sagt, „den Goldstaub drüber“: als Lektorin, Stichwortgeberin, manchmal mit einer eigenen Zeile. Rogers Sekundengedanken landen auf einer „Ideenplantage“, bis sie vielleicht einmal gebraucht werden. Bei „Die Klofrau vom Kanzleramt“ stammt die Musik größtenteils von mir – ich fand, wir sollten endlich auch mal einen Tango haben. Und das „Hochzeitslied“ ist entstanden, weil wir immer wieder gefragt werden, ob wir auch auf Hochzeiten spielen. Nö. Lieber nicht.

    Roger Stein hält eine schwarze Rose in die Kamera
    Roger Stein – Foto: Stefanie Marcus

    Natürlich ging es auch um meinen Vater Georg Kreisler. Die Türen werden einem leichter aufgemacht, aber das Durchgehen wird fast verunmöglicht. Und der Sohn eines Tischlers muss trotzdem selbst lernen, wie man einen Tisch baut. Zugleich weiß ich, dass mir mit Vater – und Mutter Topsy Küppers – die Liebe zur Sprache und zur Musik in die Wiege gelegt wurde.

    „Ich favorisiere jede Arbeit mit der Sprache und der Interpretation eines Inhalts; ich denke und lebe politisch und ich lache und singe gern. Die Form ist nur das Mittel, um meine Seele rauszulassen.“

    Cellesche Zeitung, 24. März 2023

    Und was ich mir für das Publikum in Celle gewünscht habe? Lachen, weinen, denken, freuen, gute Musik hören, sich berühren lassen und persönlich gemeint sein – und nachher mit uns ein Bierchen trinken.

    Cellesche Zeitung, 24. März 2023: „‚Ideenplantagen‘ und befreite Seele – Sandra-Kreisler-Interview“ von Jürgen Poestges.

  • „Ich war es ja nie nicht“ – Interview im Delay Magazine

    „Ich war es ja nie nicht“ – Interview im Delay Magazine

    Im Juni 2022 traf mich Julia Rauch im Jüdischen Museum Wien zum Gespräch. Das Interview erschien am 30. Juni 2022 im Delay Magazine unter dem Titel „Einsichten in das Lebensgefühl einer modernen jüdischen Künstlerin“. Anlass war mein Buch „Jude sein. Ansichten über das Leben in der Diaspora“, das 2021 bei Hentrich & Hentrich erschienen war.

    Buchcover Sandra Kreisler – Jude sein. Ansichten über das Leben in der Diaspora
    „Jude sein.“ – Hentrich & Hentrich, 2021

    Auf die Frage, was „Jüdin sein“ für mich bedeutet, antwortete ich, dass das schwer zu sagen ist – „denn ich war es ja nie nicht“. Es ist eine Volkszugehörigkeit, eine Form der Mentalität und des Humors, eine Gruppe von Menschen, denen ich mich zugehörig fühle. Es heisst aber auch, Aussenseiterin zu sein – und das war ich als Kind prominenter Eltern ohnehin. Eine „jüdische Künstlerin“ im Sinne eines Etiketts war ich nie; jüdische Lieder habe ich erst spät zu singen begonnen. Ich verstehe mich als Europäerin.

    Warum ich das Buch geschrieben habe? „Das ist ein bisschen wie ein Kochtopf, der brodelt und dann auf einmal übergeht.“ Zu viel war in den letzten zwanzig, dreissig Jahren passiert. Wir sprachen über „Tikkun Olam“ – das Gebot, die Welt zu heilen, das tief im jüdischen Bewusstsein verankert ist – und über Antisemitismus.

    „Antisemitismus ist im Kern eine Angst vor der Moderne und eine Angst vor der Wurzellosigkeit, weil das Judentum nicht festzumachen ist.“

    Sandra Kreisler im Delay Magazine, 30. Juni 2022

    In Wien, sagte ich, habe man den „jüdischen Schmäh“ so verinnerlicht, dass man sehr antisemitisch sein und trotzdem einen jüdischen Schmäh haben kann. Und zu den Davidsternen mit der Aufschrift „ungeimpft“ auf Corona-Demonstrationen: Das verharmlost, was passiert ist – es ist nicht nur antisemitisch, sondern auch gefährlich. Den Antisemitismus wird man nicht aus der Welt bringen können. Man kann aufklären, erklären, immer wieder darüber reden.

    Sandra Kreisler im Gespräch mit Julia Rauch im Jüdischen Museum Wien
    Im Gespräch mit Julia Rauch im Jüdischen Museum Wien (Foto: Jakob Untner)

    Natürlich kam auch mein Vater Georg Kreisler zur Sprache. Darf Satire alles? Ich denke: ja, solange sie als Satire kenntlich ist. Sein spätes Lied „Schlag sie tot“ finde ich etwas zu plakativ – es geht darin eigentlich nicht um Juden, sondern um einen hasserfüllten Europäer. Und wie sehr steht man als Tochter im Schatten des Vaters? „Ich habe dieses Jahr meinen 60. Geburtstag gefeiert und laufe immer noch unter Tochter herum.“ Aber man kann sein Leben nicht damit verbringen, Wasser mit einem Sieb bergauf schaufeln zu wollen – ich habe mir trotzdem mein Leben gestaltet und meinen Weg gesucht. Von meinen Eltern habe ich sehr viel Positives an Sprache, Musik, Liedern, Kunst und Kultur mitbekommen.

    Zum Schluss verriet ich mein nächstes Buchprojekt: eine Geschichte Israels – vom Neolithikum bis heute –, faktenbasiert, aber spannend und unterhaltsam zu lesen.

    Das ganze Interview aus dem Delay Magazine vom 30. Juni 2022 gibt es hier als PDF:

  • Sängerin & Wortakrobatin – Ö1 „Gedanken“

    Sängerin & Wortakrobatin – Ö1 „Gedanken“

    Am 27. Juni 2021 widmete mir Ö1 die Sendung „Sandra Kreisler: Sängerin & Wortakrobatin“ in der Reihe „Gedanken“ – mit der Unterzeile „Ansichten über das Leben in der Diaspora. Sandra Kreisler über das Gefühl als Jüdin in Europa zu leben“. Gestaltet hat sie Ursula Burkert.

    Buchcover Sandra Kreisler – Jude sein. Ansichten über das Leben in der Diaspora
    „Jude sein.“ – Hentrich & Hentrich, 2021

    Als Berufsbezeichnung gebe ich gern „Bühnenkraft“ an – in erster Linie bin ich Diseuse im klassischen Sinn, dazu Regisseurin, Interpretationscoach, Schauspielerin, Mietstimme, Wichtigtuerin, Rechthaberin und Lale-Andersen-Preisträgerin. Die Sendung erzählte, dass ich als Tochter von Topsy Küppers und Georg Kreisler in München zur Welt kam und im direkten Umfeld von Literatur, Theater, literarischem Chanson und Kabarett aufwuchs.

    2006 gründete ich mit dem Autor und Komponisten Roger Stein Wortfront – seither mein Hauptprojekt:

    „Wortfront macht Musik für offene Herzen und Ohren, für Neugierige & Melodiesüchtige, für Humorvolle, Aufgeweckte und Berührungshungrige. Musik für Menschen, die nicht vorbei hören.“

    Sandra Kreisler auf Ö1, 27. Juni 2021

    Dazu kamen meine Soloprogramme wie „Kreisler singt Kreisler“, eine Hommage mit unbekannten und selten gespielten Chansons meines Vaters, „Kleiserismen“ und „Schum Davar – Jüdische Lieder“. Auch als Autorin kam ich zur Sprache: 2012 erschien im Henschel Verlag mein Lehrbuch „Das Chansonbuch. Interpretation und Bühnenpräsentation“, im April 2021 bei Hentrich & Hentrich „Jude sein. Ansichten über das Leben in der Diaspora“ – 31 bissige Polemiken zu Antisemitismus und Antizionismus.

    Radikal parteiisch, so Ö1, weil der Gegner übermächtig scheint, benenne ich darin den „Antisemitismus 2.0“, der sich über den vermeintlich rechtschaffenen Weg der Israelkritik ungestört seinen Weg ins Herz unserer Gesellschaft bahnt – „dünnhäutig und verletzlich, zugleich bissig und immer wieder auch mit dem berühmten Kreislerschen schwarzen Humor ausgestattet“.

    Musikalisch zu hören waren unter anderem Rogers „HipHop Invention Nr. 6“ mit Wortfront und ein Chanson von Gerhard Bronner und Peter Herz.

    Die Sendungsseite von Ö1 vom 27. Juni 2021 gibt es hier als PDF:

  • Meinungsstarke Betrachtungen über das Jüdischsein – Deutschlandfunk Kultur

    Meinungsstarke Betrachtungen über das Jüdischsein – Deutschlandfunk Kultur

    Am 25. Juni 2021 sendete Deutschlandfunk Kultur in der Reihe „Aus der jüdischen Welt“ einen Beitrag von Thomas Klatt über mich: „Chansonnière Sandra Kreisler – Meinungsstarke Betrachtungen über das Jüdischsein“. Der Beitrag ist beim Deutschlandfunk Kultur weiterhin online nachzulesen und nachzuhören.

    Sandra Kreisler singt mit Mikrofon
    Foto: picture alliance / dpa / Britta Pedersen

    „Sandra Kreisler hat und ist eine kraftvolle Stimme“, begann der Beitrag. Er nannte Lieder wie „Erst einen Kaffee“, „Postmodernes Arschloch“ und „Die Klofrau vom Kanzleramt“, die ich mit Roger Stein als Wortfront singe – Lieder über die Widrigkeiten und Skurrilitäten des täglichen Lebens –, und beschrieb mich als Tochter, die in die künstlerischen Fussstapfen ihres Vaters Georg Kreisler getreten ist.

    „Mein Vater hat den Antisemitismus in Deutschland und in Österreich immer thematisiert. Das hat ihn definiert. Als Kind wurde er vertrieben. Und er musste auswandern und ein komplett neues Leben anfangen.“

    Sandra Kreisler bei Deutschlandfunk Kultur, 25. Juni 2021

    Der Antisemitismus ist nicht Teil meines Bühnenprogramms, aber ein Begleitthema meines Lebens. Deshalb habe ich das Buch „Jude sein. Ansichten über das Leben in der Diaspora“ geschrieben – 31 bissige Essays, erschienen bei Hentrich & Hentrich. Im Gespräch kritisierte ich unter anderem die Darstellung des Judentums in deutschen Medien: „Wenn sie etwas Positives über Juden schreiben, dann ist das über tote Juden.“ Und bebildert werde es mit Schtetl-Juden aus dem vorigen Jahrhundert, die es so heute praktisch nicht mehr gibt – die Buntheit und Diversität des heutigen Judentums werde nicht gesehen.

    Buchcover Sandra Kreisler – Jude sein. Ansichten über das Leben in der Diaspora
    „Jude sein.“ – Hentrich & Hentrich, 2021

    Ausführlich sprach ich auch über die Berichterstattung zum Nahostkonflikt, die ich oft als verzerrt empfinde, und über den Anti-Zionismus als moderne Form des Antisemitismus – befeuert von einem „Confirmation Bias“, dem auch viele Politiker und Kirchenvertreter unterliegen. Und ich wünschte mir, dass die Palästinenser, die bis heute in Flüchtlingslagern in Jordanien oder Syrien leben, endlich die Staatsbürgerschaften der Länder bekommen, in denen sie leben, und dort ein ganz normales, gutes Leben führen können.

    Doch ich wollte nicht nur anklagen, sondern auch die schönen Seiten meines Judeseins zeigen: „Es gibt eine wunderbare Tradition im Judentum und die nennt sich ‚Tikkun Olam‘, das heisst ‚Heile die Welt!‘“ Ein religiöses Gebot, das auch bei Nicht-Religiösen tief eingeschrieben ist – und das auch für mich als säkular aufgewachsene Jüdin gilt: „Was könnte ich noch, wenigstens nebenbei, tun, um die Welt zu verbessern?“

    Den Beitrag nachhören

    „Meinungsstarke Betrachtungen über das Jüdischsein“ – Thomas Klatt, Deutschlandfunk Kultur, 25. Juni 2021 (7:44 Min.)

    Den Beitrag von Deutschlandfunk Kultur vom 25. Juni 2021 gibt es hier als PDF:

  • „Die Politik hat keine Ahnung …“ – Interview in der Schwäbischen Zeitung

    „Die Politik hat keine Ahnung …“ – Interview in der Schwäbischen Zeitung

    Ende August 2020, kurz vor unserer Saisoneröffnung in der Mühle Oberteuringen am 12. September, hat Silja Meyer-Zurwelle für die Schwäbischen Zeitung ein ausführliches Interview mit Roger Stein und mir geführt – über unser Wortfront-Programm „Glück“, über Kunst in der Corona-Krise, über meinen Vater und darüber, wie unsere Lieder entstehen.

    Sandra Kreisler mit Hut, daneben Roger Stein mit einem kleinen Blumenstrauß
    Roger und ich – Fotograf unbekannt

    Das Etikett „Generation Konfliktfrei“ stammt eigentlich von einem Journalisten – wir sehen es eher als Zeitgeist: Viele hören lieber gleich auf zu reden, wenn das Gegenüber eine andere Meinung hat. Gratis-Streams in der Krise sehe ich kritisch, weil die Kulturbranche ohnehin dazu neigt, sich selbst auszubeuten – umso mehr haben mich Veranstalter beeindruckt, die Streaming-Konzerte tatsächlich bezahlt haben.

    „In allererster Linie wurde klar, dass die Politik tatsächlich keine Ahnung hat, wie die Kunst- und Kulturszene wirklich funktioniert.“

    Sandra Kreisler im Interview, Schwäbische Zeitung, 31. August 2020

    Und wie entsteht ein Wortfront-Lied? Meistens legt Roger eine „Ideenplantage“ an, und ich komme im letzten Drittel als Lektorin dazu. Er sagt dann netterweise, ich gäbe den Goldstaub drüber – „aber so grundsätzlich ist er das Genie und ich bin die Meckertante“.

    Natürlich ging es auch um meinen Vater. Dass ich auf ihn angesprochen werde, daran habe ich mich gewöhnt – aber es tut mir leid, dass er im ganzen Umfang seines Werks viel zu wenig wahrgenommen wird: „Immer nur ‚Tauben vergiften‘ und ‚Alte Tanten‘ – dabei gibt es so viel Bedeutenderes.“ Deshalb habe ich ja auch ein Soloprogramm mit eher unbekannten Chansons von ihm.

    „Der Sohn eines Tischlers hat vielleicht die Liebe zum Holz geerbt, aber seine Tische muss er auch komplett selbst bauen.“

    Sandra Kreisler im Interview, Schwäbische Zeitung, 31. August 2020

    Über das Konzert in der Mühle schrieb die Schwäbische Zeitung zwei Wochen später: „Wortfront schreibt Glück mit spitzer Feder“.

    Schwäbische Zeitung (schwaebische.de), Oberteuringen, 31. August 2020: „Sandra Kreisler und Roger Stein im Interview: ‚Die Politik hat keine Ahnung, wie die Kulturszene wirklich funktioniert‘“, Interview: Silja Meyer-Zurwelle.

  • „Der lange Schatten des Vaters“ – thurgaukultur.ch

    „Der lange Schatten des Vaters“ – thurgaukultur.ch

    Im Herbst 2018 bin ich nach Kreuzlingen gezogen – nach vielen Jahren in Wien und Berlin. Die langen Anreisen zu meinen Konzerten im Süden Deutschlands und in der Schweiz war ich leid, und mein Mann Roger Stein ist Schweizer; wir wollten verstärkt hier auftreten. Kurz vor meinem Konzert am 8. Dezember in Konstanz hat mich Michael Lünstroth, Redaktionsleiter von thurgaukultur.ch, zum Gespräch getroffen. Daraus wurde ein langes, sehr offenes Porträt: „Der lange Schatten des Vaters“.

    Sandra Kreisler singt auf der Bühne

    Angefangen haben wir mit meinem Velo: In Berlin wäre es sofort geklaut worden. In Kreuzlingen fand ich, nachdem es wochenlang unabgeschlossen vor der Tür stand, einen Zettel daran: „Wenn Sie Ihr Rad nicht mehr mögen, ich nähme es gerne.“ Diese Freundlichkeit berührt mich bis heute.

    Dann ging es um das Thema, das mich mein Leben lang begleitet: meinen Vater Georg Kreisler.

    „Alles, was ich heute bin, was ich heute kann, habe ich mir komplett selbst erarbeitet. Manchmal wünschte ich, die Leute könnten das stärker trennen – meine Familienherkunft und das, was ich heute mache.“

    thurgaukultur.ch, 4. Dezember 2018

    Natürlich weiß ich, dass mir der Name Türen geöffnet hat. Aber die Türen gingen vielleicht leichter auf – das Durchgehen wurde mir dafür sehr schwer gemacht.

    Ich bin mit Literatur, Theater und Chansons aufgewachsen, als Tochter von Georg Kreisler und Topsy Küppers. Mit 14 habe ich mein Leben selbst in die Hand genommen. Nach den Amerikanischen Schulen in Wien und Berlin kamen Gesangs-, Schauspiel- und Rhetorikunterricht, ab 1982 das Radio, 1984 die Bühne, 1987 der erste Film – und Theater wie das Theater in der Josefstadt. 1994 habe ich mit dem klassischen Worttheater gebrochen: Mir fehlte die Magie. Die habe ich im gesungenen Wort gefunden.

    „Das gesungene Wort ist das, wofür ich brenne. Das kann ich zehn Stunden am Stück machen und werde nie müde.“

    thurgaukultur.ch, 4. Dezember 2018

    Lange habe ich mich wegen des großen Namens nicht daran getraut. Als ich es dann doch gewagt habe, wusste ich: Das ist es. 2006 kamen der Lale-Andersen-Preis und der Preis der deutschen Schallplattenkritik dazu – ein befreiender Schritt aus dem Schatten.

    Lange habe ich die Lieder meines Vaters gemieden; es hat gedauert, bis ich zwischen dem Vater und dem Künstler trennen konnte. Heute singe ich auch Georg-Kreisler-Lieder – so auch in meinem Programm „Schum Davar – Jüdische Lieder“, mit dem ich damals nach Überlingen, Konstanz und Gailingen kam. Nicht streichelweich, sondern eher angriffig, vor allem im zweiten Teil.

    „Ich bin wohl eher nicht das Kind von Diplomaten. Ich sage, was ich zu sagen habe.“

    thurgaukultur.ch, 4. Dezember 2018

    thurgaukultur.ch, 4. Dezember 2018: „Der lange Schatten des Vaters“ von Michael Lünstroth.

  • „Chanson trifft Hollywood“ – Jüdische Allgemeine

    „Chanson trifft Hollywood“ – Jüdische Allgemeine

    Im Oktober 2014 stand der Europäische Tag der jüdischen Kultur unter dem Motto „Die Frau im Judentum“. Die Israelitische Kultusgemeinde München und Oberbayern hatte mich eingeladen, und so sang ich mein Programm „Schum Davar“ – begleitet von Gennadij Desatnik und Valeriy Khoryshman. Miryam Gümbel berichtete darüber in der Jüdischen Allgemeinen unter dem Titel „Chanson trifft Hollywood“ – denn am selben Tag wurde auch eine Ausstellung über Liz Taylor eröffnet.

    Sandra Kreisler auf der Bühne, links ein Akkordeonist, rechts ein Geiger
    Mit Gennadij Desatnik und Valeriy Khoryshman in München – Foto: Marina Maisel

    „Als Höhepunkt des Tags trat Sandra Kreisler mit Liedern und Chansons auf. […] Gleich zu Beginn rief Sandra Kreisler eines der bekannten Lieder ihres Vaters in Erinnerung. Doch längst hat die Tochter ihren eigenen musikalischen und kabarettistischen Weg gefunden.“

    Miryam Gümbel, Jüdische Allgemeine, 15. Oktober 2014

    Kulturzentrumsleiterin Ellen Presser konnte ihren Gästen, so die Zeitung, „einen besonders eindrucksvollen Abend“ bieten. Mir hat gefallen, wie genau Miryam Gümbel hingeschaut hat: dass mein Repertoire zwar wie bei meinem Vater Georg Kreisler von jüdischem Humor geprägt ist, aber anders – so wie auch die Zeit eine andere ist. Und dass meine jiddischen Melodien nicht verraten, dass ich eigentlich wenig von Klezmer-Folklore halte. Im Gespräch sagte ich ihr:

    „Wenn ich schöne Lieder kennenlerne, die mich berühren, die mir etwas sagen oder das ausdrücken, was ich sagen möchte, dann kann ich nicht anders, als diese Lieder weiter tragen.“

    Sandra Kreisler in der Jüdischen Allgemeinen, 15. Oktober 2014

    Auf dem Programm standen Lieder von David Hofstein und Itzig Fefer, zwei Dichtern, die im Stalinismus wegen ihrer jüdischen Herkunft ermordet wurden, die „Kiewer Tramway“, mein „Jiddischer Cowboy“ und „Ein ganz normales Land“. Dazu Texte von Christian Morgenstern und Fredi Dura, Lieder von Gerhard Bronner – dem „Intimfeind“ meines Vaters –, Neues wie „Die Andern“ von Roger Stein und Evergreens meines Vaters wie „Ich hab ka Lust“ und „Weder noch“.

    „Das hebräische ›Schum Davar‹, wie Kreisler ihr Programm betitelt, bedeutet übersetzt ›Gar nichts‹. Doch der Abend war alles andere als das – nämlich ein ganz großes Erlebnis.“

    Miryam Gümbel, Jüdische Allgemeine, 15. Oktober 2014

    Jüdische Allgemeine, München, 15. Oktober 2014: „Chanson trifft Hollywood – Ein Auftritt von Sandra Kreisler und eine Ausstellung über Liz Taylor standen im Mittelpunkt des Europäischen Tags der jüdischen Kultur“ von Miryam Gümbel.

  • „Nicht ganz koscher – aber genial“ – Pforzheimer Zeitung

    „Nicht ganz koscher – aber genial“ – Pforzheimer Zeitung

    Im Oktober 2014 sang ich mein Programm „Schum Davar“ in der Synagoge in Pforzheim – begleitet von Gennadij Desatnik (Geige, Bratsche, Gitarre) und Valeriy Khoryshman (Akkordeon, Cajon). Anita Molnar schrieb darüber in der Pforzheimer Zeitung eine Kritik mit einer Überschrift, die mir sehr gefällt: „Nicht ganz koscher – aber genial“. Einen Tag später war ich übrigens in München mit demselben Programm.

    Sandra Kreisler mit Dreadlocks und Nadelstreifen-Frack gestikuliert auf der Bühne
    In der Pforzheimer Synagoge

    „Eine Diva ist sie – und doch auch wieder nicht. Eher eine Querdenkerin mit schwarzem Humor. Sandra Kreisler strahlt unbändige Lebensfreude aus. Was sie sagt, macht aber auch traurig, stößt manchmal sogar ab.“

    Anita Molnar, Pforzheimer Zeitung, 14. Oktober 2014

    Den Abend eröffnete ich mit „Der Beschluss“ meines Vaters Georg Kreisler. Dazu kamen ein Gedicht meiner verstorbenen Freundin Tamar, die schon in den 1970er-Jahren die Welt von heute beschrieb, und ein aus dem Konzentrationslager überliefertes Gebet – da wurde es ganz still. Weil man solche Stimmungen nicht lange aushält, folgte gleich wieder etwas zum Lachen: „Relativ“ oder im zweiten Teil das rasante „Garnix“, bei dem ich manche Stellen absichtlich so schnell singe, dass nichts zu verstehen ist. Bei meiner Liebeserklärung an Israel habe ich Postkarten verteilt: „Ein ganz normales Land. Aber nur fast.“

    Anita Molnar hörte in meiner „tiefschwarzen, rauchigen Stimme“ manchmal die Dietrich – ein schönes Kompliment. Und sie schwärmte von meinen beiden Musikern aus der Ukraine, die mit russischen Liedern „für Humor und pure Lebenslust“ sorgten, bei den „Moskauer Nächten“ das Publikum zum Mitsingen brachten und zu „Überwachte Welt“ mit lautem Trommelschlag den Rhythmus donnerten.

    „Ein Abend, der nicht immer ganz koscher ist, aber in seiner Intensität einfach genial.“

    Anita Molnar, Pforzheimer Zeitung, 14. Oktober 2014

    Pforzheimer Zeitung, 14. Oktober 2014: „Nicht ganz koscher – aber genial. Zwischen Tragik und Humor changiert Sandra Kreislers Programm“ von Anita Molnar.