Am 25. Juni 2021 sendete Deutschlandfunk Kultur in der Reihe „Aus der jüdischen Welt“ einen Beitrag von Thomas Klatt über mich: „Chansonnière Sandra Kreisler – Meinungsstarke Betrachtungen über das Jüdischsein“. Der Beitrag ist beim Deutschlandfunk Kultur weiterhin online nachzulesen und nachzuhören.

„Sandra Kreisler hat und ist eine kraftvolle Stimme“, begann der Beitrag. Er nannte Lieder wie „Erst einen Kaffee“, „Postmodernes Arschloch“ und „Die Klofrau vom Kanzleramt“, die ich mit Roger Stein als Wortfront singe – Lieder über die Widrigkeiten und Skurrilitäten des täglichen Lebens –, und beschrieb mich als Tochter, die in die künstlerischen Fussstapfen ihres Vaters Georg Kreisler getreten ist.
„Mein Vater hat den Antisemitismus in Deutschland und in Österreich immer thematisiert. Das hat ihn definiert. Als Kind wurde er vertrieben. Und er musste auswandern und ein komplett neues Leben anfangen.“
Sandra Kreisler bei Deutschlandfunk Kultur, 25. Juni 2021
Der Antisemitismus ist nicht Teil meines Bühnenprogramms, aber ein Begleitthema meines Lebens. Deshalb habe ich das Buch „Jude sein. Ansichten über das Leben in der Diaspora“ geschrieben – 31 bissige Essays, erschienen bei Hentrich & Hentrich. Im Gespräch kritisierte ich unter anderem die Darstellung des Judentums in deutschen Medien: „Wenn sie etwas Positives über Juden schreiben, dann ist das über tote Juden.“ Und bebildert werde es mit Schtetl-Juden aus dem vorigen Jahrhundert, die es so heute praktisch nicht mehr gibt – die Buntheit und Diversität des heutigen Judentums werde nicht gesehen.

Ausführlich sprach ich auch über die Berichterstattung zum Nahostkonflikt, die ich oft als verzerrt empfinde, und über den Anti-Zionismus als moderne Form des Antisemitismus – befeuert von einem „Confirmation Bias“, dem auch viele Politiker und Kirchenvertreter unterliegen. Und ich wünschte mir, dass die Palästinenser, die bis heute in Flüchtlingslagern in Jordanien oder Syrien leben, endlich die Staatsbürgerschaften der Länder bekommen, in denen sie leben, und dort ein ganz normales, gutes Leben führen können.
Doch ich wollte nicht nur anklagen, sondern auch die schönen Seiten meines Judeseins zeigen: „Es gibt eine wunderbare Tradition im Judentum und die nennt sich ‚Tikkun Olam‘, das heisst ‚Heile die Welt!‘“ Ein religiöses Gebot, das auch bei Nicht-Religiösen tief eingeschrieben ist – und das auch für mich als säkular aufgewachsene Jüdin gilt: „Was könnte ich noch, wenigstens nebenbei, tun, um die Welt zu verbessern?“
Den Beitrag nachhören
Den Beitrag von Deutschlandfunk Kultur vom 25. Juni 2021 gibt es hier als PDF:

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