Vor meinem Auftritt am Karsamstag 2010 im Bürgerzentrum Alter Schlachthof in Soest hat mich Klaus Bunte vom Wochenblatt Soest interviewt. Ich kam mit meinem damaligen Soloprogramm „Kreislerismen“, in dem ich vor allem Lieder meines Vaters Georg Kreisler und anderer „Legenden des Kabarett-Chansons“ sang. Die Überschrift des Interviews gefällt mir bis heute: „Kompromisslos“. (Die Kritik zum Abend erschien dann im Soester Anzeiger.)

„Wenn Chansons gut sind, dann besitzen sie immer Aktualität. […] Die wirklich guten Lieder drehen sich um menschliche Zusammenhänge, Gefühle und um Abläufe, die eigentlich seit hunderten von Jahren gleich sind und gleich bleiben werden.“
Interview mit Klaus Bunte, Wochenblatt Soest, 31. März 2010
Viel aktualisieren musste ich die Lieder deshalb nicht – höchstens mal einen Namen austauschen, etwa den eines früheren Verteidigungsministers gegen Guttenberg. Ganz neu war nur ein Text von Werner Schneyder über den Kindesmissbrauch in der Kirche. Ich habe die Lieder meines Vaters immer schon gesungen: weil sie verlangt werden, gerade von mir – ein wenig Segen und Fluch zugleich –, und weil ich nicht will, dass neben „Tauben vergiften im Park“ und dem „Musikkritiker“ seine anderen Lieder in Vergessenheit geraten.
Wir sprachen auch über das heutige Kabarett. Politiker hätten die Funktion des Kabaretts längst selbst übernommen, die Kabarettisten nur noch eine Blitzableiterfunktion – aber keine Aufzeigefunktion mehr. Mein Vater hatte die noch.
„Was mir jedoch heute ganz allgemein fehlt, ist einerseits eine Kompromisslosigkeit im Ausdruck. Viele Künstler agieren unter ihrem geistigen Niveau, um ein möglichst großes Publikum zu erreichen, und erzieht es damit auch. Das hat Georg Kreisler nie getan.“
Interview mit Klaus Bunte, Wochenblatt Soest, 31. März 2010
Natürlich kam auch Wortfront zur Sprache, meine Band mit Roger Stein: In den Medien kommen wir kaum durch, weil man uns in keine Schublade packen kann – nicht Klassik, nicht Pop, nicht Liedermacher. Und in Deutschland regt man sich immer noch auf, wenn ein Lied „Postmodernes Arschloch“ heißt; in Österreich interessiert das niemanden. Unser Ziel ist, das Wort und das Lied gleichwertig zu stellen. Damit knüpfe ich an meinen Vater an – ebenso wie an Peter Fox oder Eminem. Denn Tradition bedeutet für mich „mehr das Weiterreichen der Flamme als das Anbeten der Asche“.
Wochenblatt Soest, 31. März 2010: „Kompromisslos – Sandra Kreisler im Interview über ihren berühmten Vater Georg“, Interview von Klaus Bunte.


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